Friedrich
Dürr
Friedrich
Dürr wurde am 1.2.1904 geboren und ist in den Mannheimer
Quadraten aufgewachsen. Seine 3 älteren Brüder starben
alle während des ersten Weltkrieges. Mit 15 Jahren verließ
er, wie damals unter Arbeiterkindern üblich, die Volksschule
und begann eine Maschinenschlosserlehre beim Benz. Trotz
"guter Führung" wurde er 1924 aus der Firma entlassen,
vermutlich auf Grund seiner politischen Agitation. Mit
seiner gewerkschaftlichen und parteilichen Arbeit versuchte
er sein Ideal der klassenlosen und herrschaftsfreien Gesellschaft
zu erkämpfen. Auch nach dem 1. KPD-Verbot 1923 führte
Friedrich Dürr diese Arbeit in der Illegalität fort und
widmete sich in den kommenden 11 Jahren Arbeitslosigkeit
bis zu seiner Verhaftung intensiv dem politischen Kampf.
1930
heiratete er Anna Göckel und zog mit ihr in eine vom Schwiegervater
bereitgestellte Wohnung, in der Lange-Rötter-Str. 22,
in der er bis zu seiner Verhaftung wohnen bleiben sollte.
Vor diesem Haus stehen wir gerade.
Schon vor der Machtübernahme 33 setzte Friedrich Dürr
sich in einem antifaschistischen Ausschuss im Stadtteil
Neckarstadt für eine Einheitsfront gegen den Faschismus
ein, um die Machtergreifung der Nationalsozialisten durch
ein breites linkes Bündnis zu verhindern. Schon hier zeigte
sich, wie entschlossen er gegen den sich formierenden
Faschismus zur Wehr setzte.
1933 wurde die KPD erneut verboten und im Frühjahr 1934
startete die Gestapo in Baden-Pfalz eine regelrechte Jagd
auf politische Gegner des Regimes. Dabei wurden zahlreiche
sich im Untergrund organisierende KPDler verhaftet, gefoltert
und ins Zuchthaus gesteckt, von wo sie später in verschiedene
Konzentrationslager deportiert werden sollten.
Dieser
ersten großen Welle der Repression in der Region hatte
Friedrich Dürr noch entgehen können. Nach dieser Schwächung
der Partei übernahm er dann den Posten des Bezirkskassierers.
Diese Tätigkeit und eine weitere spektakuläre Aktion in
der Silvesternacht 35 wurden ihm später zum Verhängnis.
Mit zwei weiteren Genossen feierte Friedrich Dürr das
neue Jahr auf ganz besondere Weise. Aus platzenden Ballons
flatterten Flugblätter auf die mannheimer Straßen, auf
denen zum Kampf gegen den Nationalsozialismus aufgerufen
wurde: "Mit Jammern und Klagen wird nichts bestellt, mit
Hammer und Sichel gewinnst du die Welt." Hieß es da, und
"1935! Schmiedet die Einheitsfront gegen Hitler!" wurde
gefordert.
Nicht
einmal 2 Wochen später, am 11.Januar 1935, wurde Friedrich
Dürr verhaftet und vom Oberlandesgericht zu 3 Jahren und
6 Monaten Haft verurteilt. Doch er kehrte anschließend
nicht mehr nach Mannheim zurück sondern wurde wegen seines
Nichtzusammenarbeitens mit dem Justizapparat ins KZ Dachau
überführt, da er eine Aussage über die KPD-Strukturen
verweigerte.
Selbst im Konzentrationslager wurde sein Widerstandswille
nicht gebrochen. Er musste Zwangsarbeit in der Waffenwerkstatt
der SS leisten, suchte aber von Anfang an dies zu nutzen,
indem er über Pläne zu einer bewaffneten Erhebung gegen
die SS im Konzentrationslager Dachau nachdachte.
Im
Frühjahr 1945 verbreitete sich unter den Häftlingen die
heißersehnte Nachricht der sich schnell nähernden amerikanischen
Truppen. Die SS reagierte auf diese Information, indem
sie einen Todesmarsch der 30000 Häftlinge plante, um die
Übernahme und Befreiung des Lagers durch feindliche Streitkräfte
zu verhindern. Gegen Mittag des 27. April 1945 sollte
sich der Gefangenentross in Bewegung setzen. Um die Befreiung
des Lagers durch die Amerikaner zu beschleunigen und einen
weitern Massenmord der Nazis zu verhindern, formierte
sich in höchster Eile Widerstand im Lager.
2
Gruppen, zu denen jeweils 15 Gefangene zählten, wagten
den Ausbruch aus dem Lager mit Hilfe des "Moorexpress",
der normalerweise Abfälle aus dem Lager transportierte.
Die eine Gruppe war dazu bestimmt, zu den amerikanischen
Truppen vorzudringen und sie über die Situation des Lagers
zu informieren. Die andere, zu der auch Friedrich Dürr
zählte, sollte in der Stadt Dachau einen Aufstand anzetteln
und die SS zum Kampf zwingen.
In der Stadt waren zuvor von den Einwohnern Waffen versteckt
worden, die die Gruppe jetzt an sich nahm. Auch der Volkssturm
Dachaus schloss sich den Häftlingen an.
Es
kam zum Kampf, wobei Friedrich Dürr und ein weiterer Mannheimer
Genosse, Leo Heiß, der SS in die Hände fielen. Dürr wurde
am 28.April vor dem Dachauer Rathaus erschossen, 24 Stunden
bevor die Aliierten in Dachau ankamen.
Mit
ihrer Tat haben die Widerstandskämpfer den Mitgefangenen
womöglich das Leben gerettet. Denn in den Nachkriegsjahren
wurde ein Geheimbefehl Himmlers an die Lagerleitung des
KZ Dachau bekannt, nach dem kein Häftling "lebendig in
die Hände des Feindes fallen" dürfe.
Bis
heute gibt es keine angemessene Gedenkstätte für Friedrich
Dürr hier in Mannheim. Lediglich das Jugendzentrum in
Selbstverwaltung erinnert mit seinem selbstgewählten Namen
an den Genossen und Widerstandskämpfer. Mit diesem Stolperstein
wird eine weitere Stelle in Mannheim zum Ort des Erinnerns
und Gedenkens an die Opfer des Faschismus.